Dr. Bernhard Gotto lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität und forscht am renommierten Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München.
Das IfZ wurde kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gegründet, um die Geschichte des Nationalsozialismus aufzuarbeiten. Es entwickelte sich rasch zum deutschlandweit führenden Institut, das sich mit der deutschen und europäischen Geschichte des 20. und später 21. Jahrhunderts beschäftigt.
Dr. Bernhard Gotto legte mit seiner Dissertationsschrift zur Kommunalverwaltung in Augsburg eine der bedeutendsten und am meisten zitierten Studien zur Lokalgeschichte des NS-Staates vor. Im vergangenen Jahr wurde er mit einer Studie zur Enttäuschungsgeschichte in der Bundesrepublik in den 70er Jahren an der Ludwig-Maximilians-Universität habilitiert.

In einem Vortrag vor Schülern der Oberstufe und interessierten Gästen sprach Dr. Gotto über eines der Schlüsselthemen des „Dritten Reiches“, die NS-Volksgemeinschaft.
Im positiven Sinne unterhaltsam zeigte Dr. Gotto die zahlreichen Facetten der Volksgemeinschaftsidee auf. Nur auf den ersten, den oberflächlichen Blick präsentiert sich diese als monolithischer Block, als eine festgefügte, homogene Gesellschaft. Behutsam, gleichsam mit einer historischen Pinzette sezierte der Referent den Begriff und zeigte neben den Grundprinzipien von Inklusion und Exklusion die Widersprüchlichkeiten im und Brüche des Konzepts „Volksgemeinschaft“ auf. Dabei spannte Dr. Gotto höchst gekonnt den Bogen von der Weimarer Republik über die Phase der Gleichschaltung hin zur Kriegsvorbereitung und zum Untergang des Deutschen Reiches und blickte anhand des Begriffs auf ein Vierteljahrhundert deutscher Geschichte zurück.

In einem zweiten Vortrag zu den 68ern sprach Dr. Gotto am zweiten Tag seines Aufenthaltes in Coburg vor den Schülern der Jahrgangsstufe 10. Zuvor hatte er in der Klasse 10b einigen Referaten der Schüler beigewohnt und war mit diesen ins Gespräch gekommen.
Am Beispiel der Protestformen und ausgewählter Kurzbiographien zeigte Dr. Gotto die Vielgestaltigkeit und die Wirkungskräfte des Ereignisses 68, auf das die Menschen zwei Generationen später mit einer Mischung aus Verwunderung und Faszination blicken.