… nach einem Stück von David Ives sowie dem Märchen „Froschkönig“

In Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung der Stadt Coburg wurde die Reithalle des Landestheaters Coburg für unsere Unterstufen- und Oberstufen-Theatergruppe zur Bühne:

Grundlage des Theaterprojekts der Oberstufe war der Text „Bolero“ von David Ives, bestehend aus einem Dialog zweier Partner. Darin geht es um Gedanken, Verhaltensweisen und vor allem Ängste, die durch Geräusche ausgelöst werden, die diese Partner während der Nacht zuhause hören oder zu hören glauben und die sie nicht einordnen können. Vergnügen sich die, die die (vermeintlichen) Geräusche machen, miteinander? Streiten sie sich, bringen sie sich vielleicht sogar gegenseitig um? Über allem schwebt die ängstliche Frage: Werde ich selbst durch diese anderen bedroht, die mir so unbekannt und fremd sind, weil ich sie nie kennengelernt habe? Und, daraus folgend: Wie wirken sich meine Ängste auf meine Partnerschaft, auf meine „normalen“ Beziehungen, auf mein Leben aus? Gerade in der heutigen Zeit sind dies sehr aktuelle Fragestellungen.

Inszeniert wurde die Bühnenhandlung postmodern, indem alle Schülerinnen die Rollen übernehmen. Stets sollte die Handlung als abstrakt, aber dennoch uns alle betreffend gespielt werden.

Eingeschoben in dieses Geschehen wurde als „Ablenkung“ des Paars von ihren Ängsten ein „Unterhaltungsprogramm“, eine Eigenproduktion der Unterstufen-Theatergruppe, die vom Märchen „Froschkönig“ ausgeht. Thematisch verbunden sind beide durch die Frage, wie befremdlich für uns Fremdes, Unbekanntes, Andersartiges ist. Wer ist dieser Frosch, den die Prinzessin als Hilfe benötigt, als sie ihren goldenen Ball verloren hat? Muss sie ihn wirklich hineinlassen in ihr Zuhause, in ihr „Reich“, bloß weil sie es ihm versprochen hat? Muss sie nicht vor ihm Angst haben, sich vor ihm ekeln? Will er vielleicht sogar Besitz von ihr ergreifen, in welcher Art und Weise auch immer?

Die tanztheaterhafte Inszenierung mit viel Bewegung und Bildern, die die Schüler körperlich erzeugten, verdeutlicht die Nähe aller zur Prinzessin, deren Rolle zunächst alle Schülerinnen spielen, und unsere „Verwandtschaft“ mit dem Frosch, dem Fremden, der zuvor selbst in der Rolle einer Prinzessin war, deren selbstbezogene Liebe sie zu langweilen beginnt. Wer steht nun vor unserer Tür und will zu uns vordringen? Eine Fragestellung, die beide Stücke und diese wiederum mit uns heutigen Menschen in unserer aktuellen Situation verbindet.


// Coburger Tageblatt – 7. Juli 2016
// Neue Presse Coburg – 9. Juli 2016