Das Gymnasium Alexandrinum gedenkt in großer Dankbarkeit seiner langjährigen Lehrerin für Latein, stellvertretenden Direktorin und späteren Schulleiterin Brigitte Zapf, die am 17. Februar 2017 im 92. Lebensjahr in Freising verstorben ist, wo sie in den letzten Jahren ihren Lebensabend verbrachte.

Frau Zapf entstammte einer angesehenen Coburger Ärztefamilie – ihr Vater war Direktor des Landkrankenhauses, die Mutter Pathologin – und besuchte als eines von wenigen Mädchen ab Mitte der 30er Jahre und während des Zweiten Weltkriegs das Casimirianum, wo sie 1944, auch von den Jüngeren wegen ihrer hervorragenden schulischen Leistungen bewundert, das Abitur ablegte. Nach dem Studium der alten Sprachen und der Geschichte in Würzburg wurde sie 1955 an das Alexandrinum versetzt, dessen weitere Entwicklung sie in den verschiedensten Funktionen und Ämtern über 30 Jahre stets verantwortungsbewusst mitgestaltete: ab 1968 als Ständige Stellvertreterin des Schulleiters und von 1981 bis 1987 als Direktorin. Frau Zapf leitete als erste Frau nach dem Krieg ein Gymnasium in Coburg, und in ihre Direktoratsjahre fällt als zentrale Weichenstellung für die Zukunft die Einführung der Koedukation am Alexandrinum, zeitgleich mit der Öffnung des Ernestinums für Mädchen.

Wer mit Frau Zapf privat oder dienstlich in näherem Kontakt stand, erinnert sich gerne an ihre liebenswürdige Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft, zugleich auch an ihren verschmitzten Humor und ihre Freude an geistreicher Geselligkeit: Davon erzählen noch heute die Mitglieder des altsprachlichen Lektürekreises der „Noctes Casimirianae“, an denen Frau Zapf bis zu ihrem Abschied aus Coburg regelmäßig mitwirkte, oder der frühere Leiter des Albertinums, Oberstudiendirektor Schaschek, wenn er an die monatlichen Stammtische mit seinen Direktorenkollegen zurückdenkt, bei denen man sich auf dem „kleinen Dienstweg“ über die weitere Entwicklung der Coburger Gymnasien austauschte. Nie wollte Frau Zapf mehr scheinen als sein, jede Form der Selbstdarstellung war ihr vollkommen fremd, und ihre selbstverständliche Zuwendung und Fürsorge für den Einzelnen verbanden sie wesensmäßig mit der Namenspatronin der Schule, Herzogin Alexandrine. Sie liebte ihren Beruf und wurde darum von ihren Schülerinnen wieder geliebt; nie wollte sie über den anderen stehen, sah sich vielmehr als „Chefin“ in Anführungszeichen und war stets für ihre Mitmenschen da. Davon zeugt nicht zuletzt das lebenslange Engagement der gläubigen Christin für die Kirchengemeinde St. Augustin.

Bemerkenswert, weil beispielhaft und gleichsam „in nuce“ einen Eindruck von dem Menschen gebend, der Brigitte Zapf war, ist der letzte Satz ihres Schlusswortes im Jahresbericht 1986/87 des Alexandrinums, mit dem sie sich von ihrer Schule in den Ruhestand verabschiedet: Nachdem sie dieser alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft gewünscht hat, bekennt sie mit Blick auf ihren Nachfolger ganz freimütig: „wenn´s besser gelingt, als es mir gelingen konnte, will ich nicht neidisch sein“.