Am Mittwoch, dem 27. November 2019 besuchte Herr Dr. Peter Fisch, ehemaliger Beamter der EU-Kommission, das Alexandrinum und stellte einerseits schlaglichtartig die Arbeitsprozesse der verschiedenen europäischen Institutionen vor und zeigte andererseits mögliche Zukunftsperspektiven der EU auf. Da die Schüler*innen sich seit Beginn des Schuljahres im Sozialkundeunterricht in verschiedene Aspekte des europäischen Staatenbundes eingearbeitet hatten, kam es zu einem sehr konstruktiven Gedankenaustausch.

Herr Dr. Fisch betonte, wie weit der europäische Einigungsprozess in den vergangenen 70 Jahren vorangeschritten ist und machte den Schülern die Erfolge deutlich: Ein vereintes Europa in Frieden und Freiheit – nach 1989 ein integriertes Europa auch über die bis dahin bestehenden ideologischen Grenzen des Eisernen Vorhangs hinweg – eröffnet uns überhaupt erst die Voraussetzungen des Wohlstands, von dem vor allem auch Deutschland als Exportnation profitiert.

Andererseits kritisierte Dr. Fisch aber auch die seit einem Jahrzehnt fehlenden Zukunftsperspektiven für die EU. Dazu verglich er die französische und deutsche Europapolitik und bemerkte, dass die letztere sich durch ein beharrliches Bewahren des Status Quo auszeichnet. Angesichts der zahlreichen ungelösten Probleme auf der Agenda der EU-Politik, wie etwa der Klimapolitik oder dem Umgang mit Geflüchteten, seien aber inhaltliche und strukturelle Reformen dringend geboten.

Dass das Thema für die Schüler*innen am Alexandrinum von großem Interesse ist, wurde in der anschließenden Diskussion deutlich: vor allem der Brexit mit seinen Folgen war der Hauptschwerpunkt der Fragen. Dr. Fisch stellte heraus, dass der Brexit, zu welchem Zeitpunkt auch immer, in erster Linie als abschreckendes Beispiel gesehen werden könne und dass das Vereinigte Königreich insbesondere wirtschaftliche Nachteile durch diese Entscheidung zu tragen hätte. Auch die Frage, warum die EU in der Bevölkerung häufig als negativ, als „Bürokratiemonster“ und „intransparent“, wahrgenommen würde, wurde diskutiert. Dr. Fisch gelang es in hervorragender Weise, die Schüler*innen mit der Relevanz Europas für ihre Gegenwart und Zukunft vertraut zu machen.