Hintergedanke bei der Themenwahl war die Tatsache, dass im alltäglichen Englischunterricht die Beschäftigung mit Literatur vernachlässigt wird, weil dazu vermeintlich oder tatsächlich die Zeit fehlt. Da wiederum „Weltliteratur“ im englischen Original für die angesprochene Altersgruppe zu schwer zu lesen ist, war der Kurs von vorne herein so konzipiert, dass die Adaptionen der Werke durch die gängigen Schulbuchverlage Grundlage sein können. Auch britische Schulen behandeln schließlich bestimmte Werke von Klassikern der Weltliteratur inzwischen vielfach in vereinfachten Ausgaben. Diese werden wiederum auch hier angeboten und können gut eingesetzt werden.
Die Textauswahl innerhalb des Kurses beschränkte sich auf britische Autoren des 19. Jahrhunderts, um zwischen Weihnachten (Dickens‘ A Christmas Carol) und Sommer (Wildes The Canterville Ghost) ein möglichst umfassendes Bild der sozialen, wirtschaftlichen und historischen Umstände des Viktorianischen Zeitalters entstehen zu lassen und gleichzeitig die Grundlagen von „Literaturbetrachtung“ zu legen.

Anlässlich der Lektüre von A Christmas Carol, zeitgleich das Weihnachtsstück auf dem Spielplan des Landestheaters Coburg, und des Romans Oliver Twist ergab sich die intensive Beschäftigung mit dem Zeitgeist des Viktorianismus. Geht die vielgepriesene protestantische „work ethic“ der Industrialisierung einher mit eher puritanischer Hartherzigkeit? Wie waren die Umstände in den eigens eingerichteten Workhouses, was war Gegenstand der Armengesetzgebung, wie die daraus resultierenden Lebensbedingungen für die Unterschicht?
Charaktere Dickensscher Werke können so eingeordnet, erklärt und beschrieben werden. Der reiche Geizhals Scrooge, ein hartherziger, unnachgiebiger Mr Bumble sowie der Bestattungsunternehmer Mr Sowerberry repräsentieren die Ausbeuter der kapitalistischen Gesellschaft. Ohne das Eingreifen vermögender Philanthropen und das Vorbild gelebter christlicher Nächstenliebe als Gegenpol zu den oben erwähnten Ausbeutern und aalglatten Opportunisten hätten die Werke von Charles Dickens kein happy ending.

Angesichts der gegenwärtig zu beobachtenden Popularität von Adaptionen des Werkes von Sir Conan Doyle durfte in solch einem Kurs natürlich auch die Lektüre von zwei Fällen des „consulting detective“ Sherlock Holmes nicht fehlen. Hier geht es in der Analyse um die Frage, warum sowohl die Verfilmungen als auch das Original spannend sind, was die Spannung ausmacht und, vor allem, was die Faszination des Charakters „Sherlock“ im Zusammenspiel mit dem Ich-Erzähler der Bücher, Dr. Watson, bestimmt.

Eine Abordnung des Kurses stellte schließlich die Kursinhalte beim Großen Tag der Begabtenförderung Anfang Juli in Kloster Banz vor.