– unerschrockene Kämpferin für die Rechte der Unterdrückten und Ausgebeuteten

Rosa Luxemburg gehört ohne Frage zu den bedeutsamsten Frauen in der Geschichte Europas und darf in einem Rückblick auf die Frauenbewegung definitiv nicht fehlen.

Sie gilt als eine herausragende Vertreterin demokratisch-sozialistischen Denkens und war demgemäß überzeugte Gegnerin des Kapitalismus. Neben Karl Liebknecht, einem guten Kollegen und Freund, war sie die wichtigste Repräsentantin internationalistischer und antimilitaristischer Positionen in der SPD. Ihre starke Persönlichkeit verleitete sie nicht selten zu revolutionärem Denken und Handeln. Sie befürwortete die russische Revolution, blieb aber dennoch Demokratin und äußerte scharfe Kritik gegen die diktatorische Politik der Bolschewiki.

Geboren wurde sie am 5. März 1871 in Zalmost in Russisch-Polen und gehörte als Jüdin einer Minderheit an. Trotz der damals generellen Benachteiligung der Frauen, vor allem was die Bildung anging, ging Rosa auf das zweite Mädchengymnasium in Warschau. Ihre Mutter Line, geb. Löwenstein, entstammte einer Familie von aufgeklärten Rabbinern. Die Haskalah (hebr. Bildung, mit Hilfe des Verstandes aufklären) legten sehr viel Wert auf Bildung und strebten die jüdische Emanzipation, weg vom Rand und hin zur integrierten Mitte der Gesellschaft an. Schon zu dieser Zeit befasste Rosa sich gründlich und genau mit dem Marxismus und bewegte sich in illegalen politischen Zirkeln, was schlussendlich dazu führte, dass sie aus Warschau fliehen musste und zum Studieren nach Zürich zog. Dort wurde sie immer aktiver im Kampf für die Arbeiterbewegung und den Marxismus. Sie gründete unter anderem die polnische Partei SDKP und eine Zeitschrift („Arbeitersache“), in der sie erstmals dazu aufforderte, die europäische Staatsform der Monarchie zu stürzen.

Ihren Durchbruch schaffte sie schließlich nach dem Umzug nach Berlin. Hier engagierte sie sich wieder sowohl als Redakteurin als auch in der Politik. Sie arbeitete in der SPD und wurde aufgrund ihres starken Kämpfergeists allmählich international bekannt, weil sie als Vertreterin der SPD zu zahlreichen europäischen Sozialistenkongressen reiste. Ihre Abneigung gegen das Militär verleitete sie dazu, öffentlich dazu aufzurufen den Kriegsdienst zu verweigern. Dies führte 1913 im militaristischen Preußen schließlich zu ihrer Inhaftierung.

Nach der Zeit im Gefängnis, die mit einer kurzen Unterbrechung durch den gesamten Ersten Weltkrieg hindurch zur „Abwendung einer Gefahr für die Sicherheit des Reichs“[1] angedauert hatte, distanzierte sie sich immer weiter von der SPD und gründete mit Karl Liebknecht und anderen den Spartakusbund, der sich der USPD anschloss, die aus Kriegsgegnern bestand, die aus der SPD ausgetreten waren. Am 01. Januar 1919 gründeten die Spartakisten und andere sozialistische Gruppierungen die KPD (Kommunistische Partei Deutschland). Aufgrund immer mehr werdender Massendemonstrationen, angeführt von ihrer Partei, wurde sie zum Regierungsfeind erklärt. Seinen Höhepunkt fand ihr Kampf, als sie zur Demonstration gegen die SPD-Regierung in Berlin aufrief. Doch ohne Erfolg. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen. Nach Luxemburgs und Liebknechts Doppelmord führte Paul Levi im November 1920 ihr Lebenswerk fort, vereinte den linken Flügel der USPD mit der KPD und machte sie so zur Massenpartei.

Rosa wurde zu Lebzeiten immer stärker von politischen Gegnern bedroht und angefeindet. Das bedeutete für sie ein Leben in Angst vor Angriffen. Sie musste während der Novemberrevolution zwangsläufig versteckt leben, und wurde letztendlich am 15. Januar 1919 zusammen mit Karl Liebknecht von der Garde-Kavallerie-Schützen-Division unter der Leitung des Ersten Generalstabsoffizier Hauptmann Waldemar Pabst, der die Verfolgung von Spartakisten in Berlin organisierte, stundenlang verhört und dabei schwer verletzt. Pabst beschloss auch die Ermordung der beiden Pazifisten Luxemburg und Liebknecht. Der politische Mord sollte wie die Tat Unbekannter aussehen, weshalb die Leiche Luxemburgs im Landwehrkanal entsorgt wurde. Pabst begriff den in Auftrag gegebenen politischen Mord bis zu seinem Lebensende als Hinrichtung von nationalem Interesse. Die Mörder wurden nie voll zur Rechenschaft gezogen, die Kriegsgerichtsverfahren endeten in geringen Haftstrafen, die Adolf Hitler nach der „Machtergreifung“ zur Amnestie aussetzte.[2] An Rosa Luxemburgs Beerdigung nahmen rund 100.000 Menschen teil und ihr Todestag ist heute ein Gedenktag für Sozialisten.

Ihr kompromissloser Lebensweg beweist eindeutig ihre starke Persönlichkeit. Noch heute gilt sie als Vorbild für viele Frauen. Die Sozialistin trotzte allen zu dieser Zeit herrschenden Vorurteilen und Erwartungen an die Frauen und stand selbstbewusst und ohne Zweifel ganz klar zu ihrer politischen Gesinnung. Diese versuchte sie mit aller ihr möglichen Kraft durchzusetzen. Dabei ließ sie sich weder von der Tatsache, dass sie eine Frau war, noch davon, dass sie Jüdin war, aufhalten. Mit dieser Willensstärke setzte sie ein klares Zeichen in der Friedens- und der Frauenbewegung. Noch heute kann man nicht anders, als sie für ihren starken Charakter und ihren Mut bewundern, denn ohne Vorbilder wie sie stünden Frauen und Männer heute nicht formal gleichberechtigt Seite an Seite.

 

[1] Heinz Müller-Dietz (Hrsg.): Gustav Radbruch Gesamtausgabe Band 10: Strafvollzug. C.F. Müller, 1994. S. 230.

[2] Thomas Menzel: Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. In: https://www.bundesarchiv.de/. Bundesarchiv, aufgerufen am 07. April 2020.