Der 30. Jahrestag des Mauerfalls war für Schüler und Lehrer des Gymnasiums Alexandrinum der Anlass, einen Projekttag zu diesem Thema für alle Klassen zu organisieren.

Um die Geschichte, die weit vor der Geburt der Schüler stattfand, lebendig werden zu lassen, hatten sich mehrere Zeitzeugen bereit erklärt, die Schule zu besuchen. Darunter war auch Pfarrer Markus Heckert, Mitorganisator der Montagsdemonstrationen in Jena und als Regimegegner unter ständiger Überwachung der Stasi seit seinem 6. Lebensjahr. Durch ihre Erzählungen und Interviews wurden den Schülerinnen und Schülern die Zeit der kommunistischen Diktatur und die Wendezeit teilweise auf sehr emotionelle Weise eindringlich vor Augen geführt.

Daneben konnten einige Klassen der Unterstufe mit Unterrichtsgängen in das ehemalige Grenzgebiet die Geschichte ihrer Eltern und Großeltern anschaulich erleben und erwandern. Ziel der Exkursion der 9. Jahrgangsstufe war Mödlareuth, ein kleines Dorf mit nur 50 Einwohnern nahe Hof in Oberfranken, das aufgrund der Mauer, die 40 Jahre das Dorf teilte, auch „Little Berlin“ genannt wurde.

Die sozialwissenschaftlichen Klassen der 9. und 10. Jahrgangsstufen beschäftigten sich dank der dem Alexandrinum freundlicherweise von der VHS Coburg zur Verfügung gestellten Wanderausstellung „Macht der Gefühle“ mit den sozialen und emotionalen Implikationen der deutsch-deutschen Trennung.

Auch wurde einer der 6. Klassen das Schulleben in der ehemaligen DDR direkt vor Augen geführt, indem sie einen DDR-Sportunterricht nach Adi („Mach mit, mach’s nach, mach’s besser“) erlebten. Die Lehrkräfte der sportbetonten Klasse legten aber auch Wert darauf zu vermitteln, dass sportliche Leistungsfähigkeit nur gepaart mit Parteizugehörigkeit dazu führte, eine weiterführende Schule besuchen zu können.

Die Oberstufenschüler konnten in frei wählbaren Workshops in den Leitfächern Geschichte, Deutsch, Musik, Religion, Wirtschaft und Recht und Kunst zu verschiedenen Themen arbeiten: So reichte das Spektrum von Musik in der Diktatur, über Willy Brandts „Wandel durch Annäherung“  und die religiösen Hintergründe der Montagsdemonstrationen bis zur Auseinandersetzung mit DDR- und Nachwendeliteratur. Angebote vom Kunstprojekt „Durch Mauern gehen“ bis hin zu wirtschaftlichen Betrachtungen der zwei grundverschiedenen volkswirtschaftlichen Systeme der Markt- und der Planwirtschaft zeigten, aus wie vielen Blickwinkeln das Thema beleuchtet werden kann. Dass die Thematik nichts von ihrer Aktualität verloren hat, wurde unter anderem an dem Workshop „Mauern damals und heute – Beispiel Jerusalem“ sichtbar.

Wie schon am Tag der Ökologie und Nachhaltigkeit, der in vergleichbarem Umfang im Sommer am Alexandrinum stattfand, wurde auch an diesem Tag wieder deutlich, wie entscheidend es für die Bildung junger Menschen ist, aktuelle und historische Themen aufzugreifen und im richtigen Rahmen in der Schule zu vermitteln.