Einmal Nazi und zurück – Vortrag von Philip Schlaffer

Einmal Nazi und zurück – Vortrag von Philip Schlaffer

,,Einmal Nazi – immer Nazi“, stimmt das? – ,,Nein“, sagt Philip Schlaffer, der jahrelang in der Rechtsextremen- und Rockerszene aktiv war. Warum und wie er ein Neo-Nazi wurde, erzählte er uns am Montag, dem 18. Oktober 2021 in einem beeindruckenden Vortrag.

Er beginnt damit, von seiner normalen Kindheit ohne Gewalt und Alkohol zu erzählen. Als er gerade einmal 10 Jahre alt war, beschloss sein Vater, mit der Familie nach England zu ziehen, und am 08. August 1988 wanderten sie dann zusammen aus. Er kam auf eine Grundschule in England, ohne wirklich Englisch sprechen zu können. Schon am zweiten Schultag begann das Mobbing, und Philip wurde auf dem Weg zur Schule bespuckt und als Nazi bezeichnet. Zu dieser Zeit wusste er nicht einmal, was dieses Wort heißt, aber für Engländer waren damals alle Deutschen Nazis. Die Eltern seiner Mitschüler hatten Angst um ihre Kinder und erst zwei Jahre später durfte daher das erste Kind zu Besuch zu ihm nach Hause.

Nachdem er sich in England gut eingewöhnt hatte und in der Folge die High-School hätte besuchen sollen, musste er mit seiner Familie wieder zurück nach Deutschland. Er konnte sich im Gegensatz zu seiner Schwester nur schwer wieder eingewöhnen und fing an Kraftsport zu machen und Kampfsport zu trainieren, weil er so wütend war.

Er begann alles und jeden zu hassen: seine neue Gemeinschaftsschule, seine Schwester und vor allem seinen Vater. Akzeptanz und Freundschaft fand er nun bei seinen neuen Kameraden aus der Schule, die genauso wütend waren wie er. Mit sechzehn Jahren hat er sich bewusst für den Rechtsextremismus entschieden. Er fing an Musik von Nazis zu hören, hing sich eine Hakenkreuzfahne ins Zimmer, machte den Hitlergruß und veränderte sich auch optisch.

Philip lernte seine ebenfalls rechtsradikale Freundin kennen, schloss seine Ausbildung ab und zog mit ihr nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort eröffnete er mehrere Läden, einen Nazi-Onlineshop und verdiente dadurch Geld. Philip gründete nach circa zehn Jahren in der rechten Szene zusammen mit seiner neuen Gruppe die Kameradschaft „Werwolf“. Das für viele von uns erschreckendste Ereignis war, als Philip nachts von drei Männern in seinem Schlafzimmer überfallen wurde. Sie verlangten Geld von ihm, während er seine Pumpgun herausholte, woraufhin die drei flüchteten und Philip auf sie schoss, ohne jemanden zu treffen. Im Krankenhaus machte sich das Opfer Gedanken, wer ihn angegriffen haben könnte und erkannte in einem der Täter anhand seiner Augen einen rechtsradikalen Kameraden aus Berlin. Das Gefühl der Rache folgte. Der Vorfall wirkte auf uns außerordentlich erstaunlich, da man so etwas meist nur in Filmen sieht und man sich so eine Grausamkeit einfach nicht vorstellen kann.

Der Überfall war für ihn wie eine Offenbarung. Die vermeintlichen Kameraden hatten ihn ausrauben wollen. Deswegen stieg er aus der rechtsextremen Szene aus, schaffte es aber nicht vollständig, aus der Gewaltspirale heraus. Er trat stattdessen in einen kriminellen Motorradclub ein, und gründete wenig später seinen eigenen Motorradclub, die ,,Schwarze Schar“. Nachdem er schon seit ungefähr zehn Jahren dabei war, wurde er erstmals 2011 verhaftet. Allerdings wurde er bald wieder entlassen, da kein Zeuge sich traute, gegen ihn auszusagen. Er hatte als Rockerboss viel Geld und Macht, Geld, das er und seine Gang mit kriminellen Machenschaften, Schutzgelderpressung und im Rotlichtmilieu verdienten.

Weil er als Rockerboss extrem hohem Stress ausgesetzt war. bekam er psychosomatische Beschwerden, wie schlimme Schlafstörungen und Migräne. Er entschied sich daher auch aus der Rockerszene auszusteigen, womit er zum Verräter wurde. Daraufhin fuhr er zu seinen Eltern, zu denen er vorher jahrelang so gut wie keinen Kontakt gehabt hatte. Sie sagten ihm, dass sie immer für ihn da sein würden, wenn er Hilfe brauche. Nachdem Philip schon einige Monate ausgestiegen war, sprachen seine ehemaligen Freunde in einem von der Polizei verwanzten Auto über ihn und auch über einige seiner Straftaten. So kam er doch noch ins Gefängnis und wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der heute 43-Jährige war in der JVA Stralsund inhaftiert und seine Eltern fuhren jedes zweite Wochenende im Monat insgesamt 400 Kilometer, um ihren Sohn zu besuchen. Im Gefängnis durchlief er eine Therapie, die ihm sehr half sein Leben neu zu ordnen. Im Januar 2016 wurde er wegen guter Führung entlassen und begann eine Ausbildung als Anti-Gewalt- und Deradikalisierungstrainer. Philip lebt jetzt schon seit fünf Jahren in seinem ,,Leben 2.0“, wie er es nennt.

In seinem beeindruckenden Vortrag forderte er uns auf, uns nicht auf unsere schulischen Leistungen reduzieren zu lassen, uns gegenseitig zu helfen und achtsam gegenüber Rechtsextremismus zu sein, da es jeden treffen kann.

Larissa Keller (10a), Noemi Reuß (10a), Melanie Hollauer (10b)

Spuren jüdischen Lebens

Im evangelischen Religionsunterricht der 5. Klasse hatten die Schüler*innen die Hausaufgabe, in ihrem Umfeld auf Spuren von Religion zu achten, diese zu fotografieren und die Fotos im Lernen-Modul des Schulmanagers hochzuladen. Mehrere Schüler*innen stießen hierbei auf Stolpersteine, so auch auf den Stolperstein am Alexandrinum, der vor drei Jahren im Rahmen eines P-Seminars verlegt worden war. Mit Hilfe der vom P-Seminar gesammelten Informationen berichtete die Religionslehrerin Frau Hager den Schüler*innen vom Leben Edith Franks, von der Situation der jüdischen Schüler*innen und der Schule allgemein im Nationalsozialismus. Im Gedenken an Edith Frank wurde gemeinsam ein Strauß Blumen niedergelegt.

 

 

„My home is my castle“ – Eine Ausstellung in Kooperation mit dem P-Seminar Geschichte/Sozialkunde 2015/17

Das P-Seminar Geschichte/Sozialkunde 2015/17 „Armut in Coburg“ des Alexandrinum lädt herzlich in die Stadtbücherei Coburg ein!

Gemeinsam mit der Diakonie Coburg haben die Schüler des sozialwissenschaftlichen Zweiges die Eröffnungsveranstaltung für die Ausstellung „My home is my castle“ mit eindringlichen Bildern des Fotografen Peter Litvai in den letzten Monaten geplant und organisiert. Das Projekt soll zu mehr Solidarität und Nächstenliebe im Alltag bewegen.

Weitere Kooperationspartner sind der Arbeitskreis Armut und das Philosophische Café – Hochschule Coburg; die Ausstellung wird gefördert durch die Diakonie Bayern.

 Eröffnung: 26. Oktober 2016, 18:00 Uhr

 Ausstellungsdauer: 26. Oktober–19. November 2016