Projekttag der 9. Klassen: Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage

Projekttag der 9. Klassen: Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

Am Freitag, den 17. November 2023 gestaltete das P-Seminar „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ der Q12 einen ganz besonderen Schultag mit mehreren Expert*innen rund um die Themen Rassismus, Kolonialismus, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit für die 9. Jahrgangsstufe.

Der Projekttag stand ganz im Sinne des Antirassismus. Dazu bot Leonie Vorsthoven den Schülerinnen und Schüler zunächst einen Impulsvortrag als Einstieg in das Thema. Danach verteilten sich die Schüler und Schülerinnen auf vier verschiedene Workshops, die sich allesamt mit dem Themenkomplex gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit beschäftigten, jedoch mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Während die Bayerische Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) mit Herrn Sommer einen Workshop mit den Inhalten Rassismus, Antisemitismus  und Hetze im Netz, identitäre Bewegung und was wir gegen Rechtsextremismus tun können anbot, konnten die Schülerinnen auch einen  Workshop zum Themenkomplex Feminismus, Antifeminismus und Misogynie, angeboten vom Frauenhaus Coburg, besuchen. Das pädagogische Angebot „Macht der Gruppe“ von DokuPäd Nürnberg sollte aufzeigen wie Gruppenzwang und verinnerlichte Stereotype (Vorurteile) Menschen beeinflussen. Ein weiteres Team des Vereins „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (unter der Trägerschaft des Bayerischen Jugendrings Bayreuth) erschloss in Projektarbeit mit den Schülerinnen und Schüler, wie koloniale Machtstrukturen in uns allen nachwirken und wie wir im Alltag Rassismus und Diskriminierungserfahrungen mutig entgegen treten können.

Wir sagen allen Mitwirkenden ein großes Dankeschön für den gelungenen Projekttag und bedanken uns ganz herzlich bei der Koinor Horst-Müller-Stiftung für die großzügige Förderung unseres Unterrichtsprojekts, ohne die eine kostenlose Teilnahme aller Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe an dem Programm mit gut ausgebildeten Expert*innen nicht möglich gewesen wäre.

Das P-Seminar „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“: Tobias, Lennart, Lana, Katharina, Jonas, Baker, Yüsra, Emily, Julia, Leonie, Lilly, Burak, Amelie & Leonie mit Frau Flach

Leberle liest in Erinnerung an die Bücherverbrennung

Die Bücherverbrennung von 1933 war ein einschneidendes Ereignis in der deutschen Geschichte, das sich zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft unter Adolf Hitler ereignete. Die Auswirkungen der Bücherverbrennung waren schwerwiegend. Es wurden Bücher jüdischer Autoren ebenso wie kritischer Autoren verbrannt. Auch der Koran wurde auf den Scheiterhaufen den flammen zum Fraß vorgeworfen. Die Bücherverbrennung fand am 10. Mai 1933 auf öffentlichen Plätzen in deutschen Städten, wie beispielsweise auf dem Opernplatz in Berlin statt, wo heute der Bebelplatz ist, und war eine von der NSDAP, der Hitlerjugend, der SA und der deutschen Studentenschaft geplante Aktion. Sie war ein Akt, bei dem die Nationalsozialisten öffentlich Bücher verbrannten, die als unerwünscht oder gefährlich für ihre Ideologie galten. Sie wollten so die Kontrolle über die Literatur und die Gedanken der Menschen gewinnen. Die Bücher stammten von Autoren wie Erich Kästner (1899-1974), der Kinderbuchautor von „Das doppelte Lottchen“ und „Emil und die Detektive“, der 1925 als Doktor der Philosophie promovierte. Oder von Heinich Heine (1797-1856), der in seiner Tragödie „Almansor“ schrieb: Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch sm Ende Menschen.“  – Ein prophetisches Zitat, das heute in einer im Boden eingelassenen Bronzeplatte am Hansaplatz in Dortmund zu lesen ist, einem weiteren Ort des schaurigen Geschehens. Kurt Tucholsky (1890-1955), der während des 1. Weltkriegs zum Heer einberufen wurde, und Joachim Ringelnatz (1883-1934), der zwischen 1912 und 1914 seine ersten autobiographischen Geschichten und Kinderbücher entwarf, aus denen später Balladen entstanden, waren weitere verbrannte Autoren. Aus ihren Werken las der Schauspieler Frederik Leberle , der viele Jahre am Landestheater Coburg aufgetreten ist, den Schülern und Schülerinnen der 9. Jahrgangsstufe vor. Er wurde an der Gitarre begleitet von Benjamin Hübner. So gelang es den beiden Künstlern, den Werken der ehemals geächteten Autoren neues Leben zu verleihen.

Viele Autoren und Intellektuelle, die nicht mit der nationalsozialistischen Ideologie einverstanden waren, verließen während der nationalsozialistischen Diktatur das Land oder wurden verfolgt. Dies führte zu einem Verlust an kultureller Vielfalt und geistiger Freiheit in Deutschland. Die Bücherverbrennung von 1933 erinnert uns daran, wie gefährlich es sein kann, wenn eine Regierung die Meinungsfreiheit und den freien Zugang zu Wissen und Kunst unterdrückt.

Sarah Kotschenreuther, 9c

Was das Regime aber nicht ahnen konnte, eine Beruhigung in jenem Sturm der intellektuellen Kurzsichtigkeit: Bücher, auch wenn man sie verbrennt, deren Wissen, deren Weisheit und deren Macht, kann man nicht verbrennen. „Bücher sind [zwar nur] das papierne Gedächtnis der Menschheit.“, so der berühmte Philosoph Arthur Schopenhauer, aber Bücher, deren Geschichten, wirken, einmal ausgesprochen, einmal weitergegeben, über das Feuer hinaus! Sind sie einmal in die Welt entlassen, bleiben sie in ihr.

Das macht die barbarische Tat nicht weniger barbarisch; das beruhigt aber die Zivilisation, blickt diese geschockt auf jene Flammenideologie zurück.

Die einzige Gefahr, der wir bedauernswerterweise auch heute entgegengehen können, ist das Vergessen dessen, was Geschichtenerzähler erzählt, Autoren niedergeschrieben, das gestrige Publikum wissenshungrig aufgenommen hat.

Also nehmen wir die Erinnerung an die Bücherverbrennung zum Anlass, daran zu erinnern, wie schrecklich der Einschnitt der Dummheit in diese wundervolle Kulturblüte gewesen war, nehmen wir sie aber auch zurMahnung an uns selbst, darum zu wissen, dass ein Buch erst dann verbrannt ist, wenn dessen Inhalt, dessen Geschichte vergessen worden ist.

OStR Tobias Pohl

Demokratie lernen? – Indem man Verantwortung für sich in einem Klassenparlament übernimmt

Das Klassenzimmer der 9c ist umgeräumt. Vorn, in der Mitte, dort, wo sonst die Lehrkraft aktiv den Unterricht hält, steht nunmehr ein Rednerpult: Die Macht des Wortes, die Chance auf den geregelten Austausch von Argumenten.

Der Lehrer? Er räumt die Mitte seines Arbeitsbereichs, sitzt am Lehrerpult und eröffnet die erste Sitzung des Klassenparlaments der 9c. Man werde heute darüber abstimmen, ob die Klasse 9c außerhalb der Unterrichtszeit nach Nürnberg ins Reichsdokumentationszentrum fahren wolle.

Die Sitzungsglocke tönt das erste Mal. Tobias Pohl, die Lehrkraft der Klasse 9c, nun reduziert auf den Protokollanten der Sitzung, bittet die erste Rednerin nach vorn. Energisch setzt diese sich für die Fahrt nach Nürnberg ein. Es gehe darum, dass man nicht nur im Klassenzimmer lerne, nicht nur für die nächste Stunde lerne; es geht hier darum, dass man für sich selbst lerne und begreife, dass der Besuch des Reichsdokumentationszentrums im Sinne des Verstehens der eigenen Geschichte förderlich, gut und sinnvoll ist.

Es ist eine erste Rede, die es in sich hat. Das Plenum hört dabei nicht nur aufmerksam zu; vielmehr gibt es erste Zwischenrufe. Der Protokollant am Rande der Debatte schweigt. Die Glocke bleibt stumm.

Sodann bittet Tobas Pohl die nächste Rednerin ans Rednerpult. Sie beginnt langsam ihre Rede, leise. Dann aber steigert sie sich: Sie erinnert an die Wichtigkeit des Verstehens der Geschichte des Nationalsozialismus. „Gerade deshalb müssen wir jede Gelegenheit nutzen, die sich uns bietet, um unser Wissen um diese Diktatur zu vertiefen!“

Leiser Applaus auf der einen Seite, ablehnendes Gerede auf der anderen Seite. Und dazwischen die Rednerin, die zunehmend energischer auftritt: Auch sie verweist darauf, dass das Lernen nicht nur im Unterricht geschieht; zudem merkt sie an, dass es sich bei der Fahrt nach Nürnberg um eine einmalige Angelegenheit handle, ein Samstag von vielen.

Das Plenum bleibt nicht ruhig. Fair, aber dennoch bestimmt zeigt man der Rednerin an, dass man die Meinung nicht teilt, dass man sie ablehnt…

Es ist keine normale Unterrichtsstunde. Vielmehr brandet eine Debatte auf, die viele Ähnlichkeiten besitzt mit einer Diskussion aus den Plenarsälen in München und Berlin. Selbst die Presse ist dieses Mal anwesend.

Eine weitere Rednerin wird an das Pult gebeten. Sie schaut ihre Vorredner an, sie stimmt den Argumenten ihrer Vorredner zu, sie führt sie aus, sie… Sie bricht ab und verweist auf diejenigen Aspekte, welche die Vorredner nicht gesehen haben, nicht sehen wollten. Es werde gebaut in Nürnberg. Die Fahrt sei lang, der Besuch des Reichsdokumentationszentrums dagegen recht kurz. Man müsse abwägen zwischen dem, was man mit dieser Fahrt erreichen möchte, und dem, was man hierfür aufbringen müsste.

„Möchten Sie eine Zwischenfrage zulassen?“

Die Rednerin stockt, nachdem der Protokollant sie darauf hingewiesen hat, dass eine Schülerin aufgestanden ist und bereit ist, eine Zwischenfrage zu stellen. Sie muss die Zwischenfrage nicht zulassen, sie kann ablehnen und mit ihrer Rede fortfahren. Diese Möglichkeit sieht eine demokratische Plenumsdebatte vor. Sie nickt.

„Es geht ums Lernen, es geht ums Verstehen einer zentralen Epoche der deutschen Geschichte. Muss man da wirklich abwägen?“

„Ja, denn neben der verpflichtenden Fahrt zu einer Gedenkstätte ist die Frage durchaus erlaubt, ob man zusätzlich noch zum Reichsdokumentationszentrum fahren soll.“

Beide schneiden sich sachlich an, beide schauen sich scharf an. Es geht nicht um das Persönliche, vielmehr um die Sache an sich, vielmehr darum, ob man sich als Klassengemeinschaft zu dieser Fahrt durchringen kann. Oder aber nicht.

In dieser Form geht die Debatte weiter. Die Zwischenrufe branden auf, der Protokollant und Sitzungsleiter, Tobias Pohl, geht mit seiner Glocke dazwischen.

Am Ende stimmt die Klasse ab. Man entscheidet sich mit großer Mehrheit gegen die Fahrt zum Reichsdokumentationszentrum. Kurze Stille!

In seine Rolle als Lehrkraft zurückgekehrt ist Tobias Pohl ob des Ausgangs der Debatte traurig. Gerne wäre er nach Nürnberg gefahren… „So aber ist Demokratie!“

Folglich freut er sich darauf, die nächste Debatte zu leiten. Hierbei wird es darum gehen, ob sich die Klasse dazu entschließt, eine kreative Aktion in Coburg durchzuführen.

Das ist Demokratie! Ein neues Thema, eine neue Debatte, eine neue Abstimmung und dazwischen der bereits jetzt stattfindende geregelte Austausch von Argumenten. Das ist Demokratie…

Exkursion in die Steinzeit: Die Klassen 6ab im Naturkundemuseum

 

Im Zuge des Einstiegs in das Fach Geschichte wird zu Beginn die spannende Frage aufgeworfen, wie sich der Mensch entwickelt hat. Auf der Basis von Verfassertexten, Karten und Bildern zum Leben der Menschen in der Alt- und in der Jungsteinzeit wird dieses Kapitel recht zügig abgehandelt; die in dieser Zeit erzielten Leistungen der Menschen werden angerissen, können aber nur bedingt auf der Basis von Funden vertieft werden, da uns Historikern hierzu die Möglichkeiten fehlen.

Um etwas tiefer in diese Materie einzusteigen, machten sich die beiden 6. Klassen unter der Leitung ihres Geschichtslehrers, Tobias Pohl, zum Naturkundemuseum Coburg auf, damit sie zum einen aus erster Hand erfahren konnten, wie sich das Leben in der Steinzeit gestaltete, und um zum anderen mit Gegenständen dieser Zeit in Berührung zu kommen.

So haben die Schülerinnen und Schüler die ausgestellte Gruppe der Neandertaler ausgiebig studiert und dabei über die Bearbeitung von erlegten Tieren, die Verarbeitung von Fellen und Knochen gesprochen; dabei haben sie einen echten Faustkeil in der Hand halten dürfen, dessen Kälte und Gewicht spüren können. Zudem haben sie der Mitarbeiterin des Museums, Frau Oelmann, beim Feuermachen zuschauen können: Eine anstrengende Angelegenheit, bei der nicht nur die Funken gesprüht sind…

Im weiteren Verlauf konnten die Schülerinnen und Schüler eigene Beutel aus Leder herstellen. In einem eigens dafür vorbereiteten Eck, ausgestattet mit Fellen, machten sie sich einerseits ein Bild davon, wie man aus einem Fell fertiges Leder herstellte, andererseits wie schwer diese Arbeit gewesen sein muss mit den damals verwendeten Werkzeugen. Mit diesem Wissen ausgestattet stellten die Schülerinnen und Schüler im Anschluss aus vorbereitetem Leder ihre eigenen Lederbeutel her.

Im Anschluss daran befassten sie sich mit der Höhlenmalerei. Dabei klärten die Schülerinnen und Schüler anhand von Fotografien von Gemälden aus der Steinzeit, was die Steinzeitmenschen verewigt haben – und stellten dabei fest, dass diese ansprechende Kunstwerke verfertigten. Sodann durften sie eigene Kunstwerke auf Kalkplatten zeichnen ein spielerisches Nachempfinden der Leistung der Menschen der Altsteinzeit.

Es war ein sehr spannender, produktiver und abwechslungsreicher Workshop. Ein gelungener Auftakt für die weiteren Veranstaltungen der Kinder-Uni der 6. Jahrgangsstufe am Gymnasium Alexandrinum!

 

Einmal Nazi und zurück – Vortrag von Philip Schlaffer

,,Einmal Nazi – immer Nazi“, stimmt das? – ,,Nein“, sagt Philip Schlaffer, der jahrelang in der Rechtsextremen- und Rockerszene aktiv war. Warum und wie er ein Neo-Nazi wurde, erzählte er uns am Montag, dem 18. Oktober 2021 in einem beeindruckenden Vortrag.

Er beginnt damit, von seiner normalen Kindheit ohne Gewalt und Alkohol zu erzählen. Als er gerade einmal 10 Jahre alt war, beschloss sein Vater, mit der Familie nach England zu ziehen, und am 08. August 1988 wanderten sie dann zusammen aus. Er kam auf eine Grundschule in England, ohne wirklich Englisch sprechen zu können. Schon am zweiten Schultag begann das Mobbing, und Philip wurde auf dem Weg zur Schule bespuckt und als Nazi bezeichnet. Zu dieser Zeit wusste er nicht einmal, was dieses Wort heißt, aber für Engländer waren damals alle Deutschen Nazis. Die Eltern seiner Mitschüler hatten Angst um ihre Kinder und erst zwei Jahre später durfte daher das erste Kind zu Besuch zu ihm nach Hause.

Nachdem er sich in England gut eingewöhnt hatte und in der Folge die High-School hätte besuchen sollen, musste er mit seiner Familie wieder zurück nach Deutschland. Er konnte sich im Gegensatz zu seiner Schwester nur schwer wieder eingewöhnen und fing an Kraftsport zu machen und Kampfsport zu trainieren, weil er so wütend war.

Er begann alles und jeden zu hassen: seine neue Gemeinschaftsschule, seine Schwester und vor allem seinen Vater. Akzeptanz und Freundschaft fand er nun bei seinen neuen Kameraden aus der Schule, die genauso wütend waren wie er. Mit sechzehn Jahren hat er sich bewusst für den Rechtsextremismus entschieden. Er fing an Musik von Nazis zu hören, hing sich eine Hakenkreuzfahne ins Zimmer, machte den Hitlergruß und veränderte sich auch optisch.

Philip lernte seine ebenfalls rechtsradikale Freundin kennen, schloss seine Ausbildung ab und zog mit ihr nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort eröffnete er mehrere Läden, einen Nazi-Onlineshop und verdiente dadurch Geld. Philip gründete nach circa zehn Jahren in der rechten Szene zusammen mit seiner neuen Gruppe die Kameradschaft „Werwolf“. Das für viele von uns erschreckendste Ereignis war, als Philip nachts von drei Männern in seinem Schlafzimmer überfallen wurde. Sie verlangten Geld von ihm, während er seine Pumpgun herausholte, woraufhin die drei flüchteten und Philip auf sie schoss, ohne jemanden zu treffen. Im Krankenhaus machte sich das Opfer Gedanken, wer ihn angegriffen haben könnte und erkannte in einem der Täter anhand seiner Augen einen rechtsradikalen Kameraden aus Berlin. Das Gefühl der Rache folgte. Der Vorfall wirkte auf uns außerordentlich erstaunlich, da man so etwas meist nur in Filmen sieht und man sich so eine Grausamkeit einfach nicht vorstellen kann.

Der Überfall war für ihn wie eine Offenbarung. Die vermeintlichen Kameraden hatten ihn ausrauben wollen. Deswegen stieg er aus der rechtsextremen Szene aus, schaffte es aber nicht vollständig, aus der Gewaltspirale heraus. Er trat stattdessen in einen kriminellen Motorradclub ein, und gründete wenig später seinen eigenen Motorradclub, die ,,Schwarze Schar“. Nachdem er schon seit ungefähr zehn Jahren dabei war, wurde er erstmals 2011 verhaftet. Allerdings wurde er bald wieder entlassen, da kein Zeuge sich traute, gegen ihn auszusagen. Er hatte als Rockerboss viel Geld und Macht, Geld, das er und seine Gang mit kriminellen Machenschaften, Schutzgelderpressung und im Rotlichtmilieu verdienten.

Weil er als Rockerboss extrem hohem Stress ausgesetzt war. bekam er psychosomatische Beschwerden, wie schlimme Schlafstörungen und Migräne. Er entschied sich daher auch aus der Rockerszene auszusteigen, womit er zum Verräter wurde. Daraufhin fuhr er zu seinen Eltern, zu denen er vorher jahrelang so gut wie keinen Kontakt gehabt hatte. Sie sagten ihm, dass sie immer für ihn da sein würden, wenn er Hilfe brauche. Nachdem Philip schon einige Monate ausgestiegen war, sprachen seine ehemaligen Freunde in einem von der Polizei verwanzten Auto über ihn und auch über einige seiner Straftaten. So kam er doch noch ins Gefängnis und wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der heute 43-Jährige war in der JVA Stralsund inhaftiert und seine Eltern fuhren jedes zweite Wochenende im Monat insgesamt 400 Kilometer, um ihren Sohn zu besuchen. Im Gefängnis durchlief er eine Therapie, die ihm sehr half sein Leben neu zu ordnen. Im Januar 2016 wurde er wegen guter Führung entlassen und begann eine Ausbildung als Anti-Gewalt- und Deradikalisierungstrainer. Philip lebt jetzt schon seit fünf Jahren in seinem ,,Leben 2.0“, wie er es nennt.

In seinem beeindruckenden Vortrag forderte er uns auf, uns nicht auf unsere schulischen Leistungen reduzieren zu lassen, uns gegenseitig zu helfen und achtsam gegenüber Rechtsextremismus zu sein, da es jeden treffen kann.

Larissa Keller (10a), Noemi Reuß (10a), Melanie Hollauer (10b)

Spuren jüdischen Lebens

Im evangelischen Religionsunterricht der 5. Klasse hatten die Schülerinnen und Schüler die Hausaufgabe, in ihrem Umfeld auf Spuren von Religion zu achten, diese zu fotografieren und die Fotos im Lernen-Modul des Schulmanagers hochzuladen. Mehrere Schülerinnen und Schüler stießen hierbei auf Stolpersteine, so auch auf den Stolperstein am Alexandrinum, der vor drei Jahren im Rahmen eines P-Seminars verlegt worden war. Mit Hilfe der vom P-Seminar gesammelten Informationen berichtete die Religionslehrerin Frau Hager den Schülerinnen und Schüler vom Leben Edith Franks, von der Situation der jüdischen Schülerinnen und Schüler und der Schule allgemein im Nationalsozialismus. Im Gedenken an Edith Frank wurde gemeinsam ein Strauß Blumen niedergelegt.

 

 

„My home is my castle“ – Eine Ausstellung in Kooperation mit dem P-Seminar Geschichte/Sozialkunde 2015/17

Das P-Seminar Geschichte/Sozialkunde 2015/17 „Armut in Coburg“ des Alexandrinum lädt herzlich in die Stadtbücherei Coburg ein!

Gemeinsam mit der Diakonie Coburg haben die Schüler des sozialwissenschaftlichen Zweiges die Eröffnungsveranstaltung für die Ausstellung „My home is my castle“ mit eindringlichen Bildern des Fotografen Peter Litvai in den letzten Monaten geplant und organisiert. Das Projekt soll zu mehr Solidarität und Nächstenliebe im Alltag bewegen.

Weitere Kooperationspartner sind der Arbeitskreis Armut und das Philosophische Café – Hochschule Coburg; die Ausstellung wird gefördert durch die Diakonie Bayern.

 Eröffnung: 26. Oktober 2016, 18:00 Uhr

 Ausstellungsdauer: 26. Oktober–19. November 2016