Vertiefender Workshop zu Inklusion und Integration

Im Rahmen unseres Inklusionsprojekts durften die beiden SoG-Kurse der 9. Jahrgangsstufe des sozialwissenschaftlichen Zweiges erneut die Offenen Hilfen Coburg begrüßen. Schon beim ersten Besuch, am 11.12.25, hatten Sebastian, Deringer, Jessica Augstein und Frank Ullrich wertvolle Impulse gesetzt – umso größer war die Freude über das Wiedersehen und die Möglichkeit, die Zusammenarbeit in einem vertiefenden Workshop fortzuführen.

Zu Beginn stand der Austausch über die bisherigen Arbeitsergebnisse der Schülerinnen und Schüler aus dem Projektunterricht im Mittelpunkt. Die vorgestellten Projekte hinterließen sichtlich Eindruck bei den Gästen der Offenen Hilfen – nicht nur fachlich, sondern auch persönlich. So teilten sie anknüpfend an die Schülerprojekte ihre eigenen Erfahrungen und Perspektiven, wodurch deutlich wurde, wie nah die gewählten Themen an der Lebensrealität vieler Menschen sind.

Anschließend stellten die Referentinnen und Referenten das Programm der Doppelstunde vor. In Kleingruppen durchliefen die Schülerinnen und Schüler fünf verschiedene Stationen, die neue Perspektiven auf das Thema Inklusion eröffneten. Zwei Stationen widmeten sich dem Rollstuhlfahren im Schulgebäude: Wie bewegt man sich fort? Welche Hindernisse treten auf? Wie reagieren andere Menschen? Obwohl unser Schulhaus im Vergleich zu anderen Schulgebäuden bereits barrierearm gestaltet ist, wurde schnell deutlich, wie herausfordernd selbst alltägliche Situationen sein können. Besonders das Öffnen schwerer Türen erwies sich als überraschend kraftaufwendig.

Weitere Stationen beschäftigten sich mit einem Memory-Spiel zur Leichten Sprache sowie mit der begrifflichen Unterscheidung von Inklusion, Integration und Exklusion. Anhand von Fallbeispielen – auch zu nicht sichtbaren Einschränkungen – setzten sich die Gruppen intensiv mit unterschiedlichen Formen von Teilhabe und Ausgrenzung auseinander.

Durch die Einteilung in Kleingruppen entstand eine konzentrierte, aber auch entspannte Arbeitsatmosphäre, in der viele neue Eindrücke gesammelt wurden. Besonders deutlich wurde, wie viele Aspekte des Themas ohne den direkten Austausch mit Expertinnen, Experten und Betroffenen oft verborgen bleiben.

Zum Abschluss sammelten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam die wichtigsten Erkenntnisse des Tages:

  1. Es ist anstrengend, mit einer Einschränkung zu leben. Hilfsbereitschaft ist deshalb keine Kleinigkeit und jede Unterstützung kann eine große Erleichterung sein.
  2. Menschen mit Einschränkungen sind im Alltag häufig auf andere angewiesen; das Verhalten der Mitmenschen spielt eine entscheidende Rolle.
  3. Niemand sollte vorschnell abgestempelt werden. Alle sind Menschen – alte Vorurteile, so ergänzte Sebastian Deringer treffend, sollte man „abwischen“.
  4. Selbst scheinbar Selbstverständliches wie eine normale Tür kann zu einem großen Hindernis werden – eine Erfahrung, die viele an der Rollstuhl-Station eindrücklich machten.

Einen weiterführenden Impuls gab zum Abschluss Jessica Augstein, selbst Rollstuhlfahrerin, von den Offenen Hilfen: Ein gemeinsamer Stadtbesuch im Rollstuhl könne noch einmal ganz neue Eindrücke vermitteln, von baulichen Barrieren bis hin zu den positiven wie negativen Blicken und Reaktionen anderer Menschen.

Der Workshop hat eindrucksvoll gezeigt: Inklusion ist nicht nur eine organisatorische oder bauliche Aufgabe, sondern vor allem eine Frage der Haltung. Sie beginnt bei jedem Einzelnen von uns, nämlich in der Art, wie wir unseren Mitmenschen begegnen.

 

Wir bedanken uns erneut bei den Verantwortlichen der Offenen Hilfen Coburg für die vielen wertvollen Eindrücke und freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit!