Das Politische Café am Alexandrinum hat sich inzwischen als fester Bestandteil des Schullebens etabliert. Bereits seit längerer Zeit bietet das Format Schülerinnen und Schülern sowie weiteren Interessierten die Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre über gesellschaftlich und politisch relevante Themen ins Gespräch zu kommen. Bei Kaffee, Tee und Kuchen entsteht ein Rahmen, der bewusst zum offenen Austausch einlädt. Gerade diese lockere Atmosphäre ermöglicht es, auch schwierige und ernste Themen sachlich und respektvoll zu diskutieren.

Im Mittelpunkt des jüngsten Politischen Cafés stand das Thema digitalisierte sexualisierte Gewalt. Als Referentin war Ella Lassner, Mitarbeiterin der Organisation HateAid, zu Gast. In ihrem Vortrag erläuterte sie, wie sich sexualisierte Gewalt zunehmend in den digitalen Raum verlagert und welche Auswirkungen dies auf die Betroffenen hat.

Digitalisierte sexualisierte Gewalt umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Formen. Dazu gehören unter anderem unerwünschte sexuelle Nachrichten, das Versenden intimer Bilder ohne Einwilligung, sogenannte Dick Pics, Cyberstalking, sexualisierte Beleidigungen und Bedrohungen sowie das unerlaubte Veröffentlichen oder Weiterverbreiten privater oder intimer Aufnahmen. Auch Deepfakes, bei denen mithilfe Künstlicher Intelligenz täuschend echte manipulierte Bilder oder Videos erstellt werden, stellen eine wachsende Herausforderung dar. Die Anonymität des Internets erleichtert es vielen Täterinnen und Tätern, Grenzen zu überschreiten und Betroffene gezielt einzuschüchtern oder bloßzustellen.

Im Vortrag wurde deutlich, dass digitalisierte sexualisierte Gewalt längst kein Randphänomen mehr ist. Besonders Frauen und Mädchen sind häufig betroffen. Die Folgen reichen von Angst und Unsicherheit über den Rückzug aus sozialen Netzwerken bis hin zu erheblichen psychischen Belastungen. Dadurch wird die freie Teilhabe am digitalen Leben eingeschränkt und die Meinungsfreiheit der Betroffenen oftmals massiv beeinträchtigt.

Auch die Tätergruppen wurden thematisiert. Statistisch handelt es sich überwiegend um Männer. Die Motive sind unterschiedlich und reichen von dem Wunsch nach Machtausübung und Einschüchterung bis hin zu frauenfeindlichen Einstellungen und misogynen Weltbildern, die insbesondere in bestimmten Online-Communities verstärkt werden können. Nicht jeder Täter verfolgt dieselben Beweggründe, dennoch spielen Frauenfeindlichkeit und die gezielte Herabwürdigung von Frauen in vielen Fällen eine zentrale Rolle.

Ein weiterer Schwerpunkt des Politischen Cafés war die Frage, wie man sich schützen und im Ernstfall handeln kann. Empfohlen wurde unter anderem, Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken bewusst zu nutzen, persönliche Daten sparsam preiszugeben und verdächtige Kontakte konsequent zu blockieren. Ebenso wichtig ist es, beleidigende oder bedrohliche Nachrichten sowie Bilder durch Screenshots zu dokumentieren und die Vorfälle bei den jeweiligen Plattformen zu melden. In schwerwiegenden Fällen sollten Betroffene zudem rechtliche Schritte prüfen und Beratungsangebote in Anspruch nehmen. Organisationen wie HateAid unterstützen Betroffene dabei sowohl rechtlich als auch psychosozial.

Das Politische Café zeigte eindrucksvoll, wie wichtig Aufklärung und offener Austausch über aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen sind. Die Veranstaltung bot den Teilnehmenden nicht nur fundierte Informationen über digitalisierte sexualisierte Gewalt, sondern machte auch deutlich, dass jede und jeder dazu beitragen kann, Hass und Gewalt im Netz entgegenzutreten und Betroffene zu unterstützen. Gerade in einer Zeit, in der digitale Kommunikation immer mehr Lebensbereiche prägt, ist ein verantwortungsvoller Umgang im Internet von großer Bedeutung.