Wer bin ich? Präsentation des Hörspiels „Fremd in meinem Körper“ durch die Klasse 10c

Am 11.12.2023 präsentierte die 10c nach langer und intensiver Arbeit der Öffentlichkeit ihr Hörspiel „Fremd in meinem Körper“, das sich mit der Thematik der Entdeckung der eigenen Homosexualität beschäftigte.

 

Das Hörspielprojekt verfolgte das Ziel, dass die daran teilnehmenden Schüler*innen die besondere Situation Homosexueller verstehen, deren Leidensprozess im Zuge des Coming-outs, deren Sorgen und Ängste im Angesicht einer Gesellschaft, die einerseits vorgibt, tolerant zu sein, andererseits aber dann doch nicht so tolerant ist, wie sie zu erscheinen möchte. Gerade die traurige Tatsache der jüngst ansteigenden Straftatdelikte – die Dunkelziffer der Gewaltverbrechen an Homosexuellen ist laut Experten noch um einiges höher einzuschätzen – beweist den bedauernswerten Umstand, dass die homosexuelle Community trotz der ihr zugebilligten Rechte immer noch als Fremdkörper betrachtet zu werden scheint. Umso mutiger war die Entscheidung der damals Neuntklässler, sich dieser Thematik nicht nur im Unterricht zu nähern, sondern sich in diese Gefühlsachterbahn in Gestalt eines Hörspiels hineinzuwagen.

„Zu Beginn des Projekts habe ich mich schon gefragt, wo diese Reise hingehen wird.“, so Marcus Urban vom Verein für Vielfalt in Sport und Gesellschaft, der das Projekt von Anfang an betreute. Er beobachtete bei den Schüler*innen Unsicherheit, die sich aufgrund der Verstehensprozesse zunehmend in Respekt gegenüber dieser Minderheit wandelte.

Verarbeitet wird in diesem Hörspiel eine Therapiesitzung, bei der vier Jugendliche, konfrontiert mit ihrer eigenen Homosexualität, Probleme damit haben, wie sie mit ihrer sexuellen Identität umgehen sollen – gegenüber ihren Freunden, ihren Eltern und ihrer Familie, einer scheinbar toleranten Gesellschaft. Es sind deren Sorgen, deren Ängste, die das Hörspiel aufgreift, die es in leisen und lauten Debatten darstellt, es ist der Hass gegen die eigene Person im Selbstfindungsprozess des aus der Gesellschaft Herausgestoßenen, der das Hörspiel eine fiktive, zugleich merkwürdig reale Stimme verleiht.

Woher kommt diese Angst? Unsere Gesellschaft bezeichne das Normale und ebenso das Nicht-Normale, so Jens Bankwitz, Mitglied des Vereins für Vielfalt in Sport und Gesellschaft. Nach wie vor wird die homosexuelle und diverse Minderheit diskriminiert: „Wir werden zwar nicht mehr so häufig Opfer von körperlicher Gewalt“, so Bankwitz weiter, „aber deswegen gehen wir nicht das Risiko ein, uns vollkommen naiv durch diese Welt zu bewegen.“ Noch immer existieren Gegenden und Regionen, in denen homosexuelle Paare ihre Liebe nicht offen zeigen können. Auch in Deutschland!

Und was nehmen die Projektteilnehmer*innen mit? „Ich habe mich anfangs schwer mit der Rolle getan.“, so Elisabeth Müller: „Sie war mir so fremd. Ich habe sie mir im Zuge des Projekts zu eigen gemacht, habe sie verstanden und mit meiner Stimme zum Leben erweckt.“ Folglich habe sie die Probleme ihrer Figur leben und fühlen können, um zu verstehen.

„Durch den Einblick in die psychische Zerrissenheit meiner Figur sind mir die Schwierigkeiten dieses Selbstfindungsprozesses klar geworden.“, so Amelie Erbut. Sie habe nunmehr großen Respekt vor denen, die es geschafft haben, zu sich selbst zu finden. Man spreche immer wieder davon, Toleranz zu zeigen, tolerant zu sein, so Marcus Urban. „In Wirklichkeit aber lernt man den Respekt gegenüber dem Anderen allein dadurch, dass man für einen Moment denken und fühlen muss, was das Gegenüber denkt und fühlt.“

Es ist der Abschluss eines herausfordernden, eines mitreißenden Projekts. Die Schüler*innen haben sich mit der Thematik der Homosexualität beschäftigen wollen und dabei eine unübliche Form gewählt; dabei aber haben sie den Respekt im Umgang miteinander, den Schutz von Minderheiten in einer Demokratie, verstanden. „Das gibt Mut, das macht Hoffnung in einer Zeit, in der das Wort Respekt schnell daher gesagt ist, aber zumeist vergessen wird, was es eigentlich bedeutet!“, so Tobias Pohl am Ende der Hörspielpräsentation.